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kann. Nur so werden ja die toten Schatten der Oeschichte, die unbestimmten Umrisse der Personen, die der Vergangenheit angèhören, sich mit Blut und Leben tullen. Dieses Hineinleben in historische Personen wird aber dem am besten gelingen, der selbst die wahre Weltanschauung schon besitzr, weil er durch sie am leichtesten das Falsche von Wahren zu unterscheiden und die Tatsachen nach ihren objektiven Beziehungen zu erfassen weiB.

455. B e i s p i e 1 e für das E i n 1 e b e n in historische Personen und Tatsachen: Chrisüiche und besonders katholische Erscheinungen kann nur der verstenen, der selbst Christ oder Katholik ist. Wer z. B. sich nicht in Christus mit Verstand und Herz hineingelebt hat, wer Christus, seine Gestalt, seine Lehre und sein Wirken nicht gleichsam in sich aufgenommen hat, wird seiner Person und seiner welthistorischen Stellung, auch rein geschichtlich genommen, nie gerecht werden können. Desgleichen wird kein Nichtkatholik wilkommen der weltüberagenden Stellung des Papsttums und seiner geschichtlichen Entwicklung eine objektive Betrachtung widerfahren lassen können, weil ihm eben die objektive Grundlage für das Verstandnis beider Momente abgeht. Darum wird er auch nicht im stande sein, alle jene Vorgange und Entwicklungen, die zur Geschichte des Papsttums in naherer oder entfernterer Beziehung stehen, ihrer objektiven Bedeutung nach zu erfassen. Auf der andern Seite wird auch niemand den grausamen Charakter eines Christenverfolgers wie eines Nero oder eines Diokletian und ihre ruchlosen Taten in ihren Motiven verstehen, der nicht über das nötige MaB wahrer Menschenkenntnis verfügt und auch die Entwicklung abnormer menschlicher Bosheit in objektiver weise zu analysieren vermag. Dieses vermag aber nur wieder derjenige, dem die wahre Weltanschauung volle Aufklarung über den Ursprung und die Geheimnisse menschlicher Bosheit verleiht.

Fünftes Kapitel. Die Darstellung.

456. Lit.: Bernheim 777—798; EMeyer, Oeschichte des Altertums 1,1* (1907) 206—209; LFonck, Wissenschaftliches Arbeiten 2252 f; GSimmel, Die historische Formung im Logos 7 (1917—18) 115 ff.

Die Darstellung muB in der historischen Methodik insofern zur Sprache kommen, als sie ein Mittel historischer Arbeit, nicht aber eine sprachliche Formgebung ist Als solche gehort sie der Stilistik und Asthetik an. Wir handeln deshalb an dieser Stelle von der Darstellung als der geistigen Funktion, die anderen die Kenntnis der historischen Vorgange vermitteln will.

1. Je nachdem das Hauptziel der Darstellung die rein nach der Zeitfolge referierende Wiedergabe der historischen Tatsachen oder die Hervorkehrung des lehrhaften Charakters der Erscheinungen oder die Reproduktion des innern Zusammenhanges und der Entwicklung der historischen Tatsachen ist, unterscheidet man die erzahlende, die lehrhafte {pragmatische), die entwickelnde {genetische) Darstellung- Dem innern Werte nach steht letzte Darstellung an der Spitze. Ist die genetische Darstellung wirklich objektiv, so erreicht sie von selbst auch den Zweck, welchen die pragmatische Darstellung verfolgt.

457. 2. Das erste Erf ordernis bzw eine notwendige Voraussetzung jeder gelungenen Darstellung ist eine gute Auswahl. Die Darstellung

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