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ganz homegenen Bevölkerung bezieht, ausführlich geschildert, und immer mit Anfübrung von Parallelen aus andern Gebieten, wobei die grosze Belesenheit des Verfassers glanzend zutage tritt. Der Abschnitt über die auszere Kultur vergönnt uns einen Bliek auf das hausliche und gesellschaftliche Leben der Eingeborenen zu werfen. Wir machen Bekanntschaft mit ihren verschiedenartigen Hausern, mit dem Leben im Dorf, mit Waffen und Kriegführung, mit Arbeit, mit Kulturpflanzen und Tieren, mit Kleidung und Schmuck, mit Krankheiten, Sterblichkeit und Totenbehandlung. Gelegentlich unterlasst der Verfasser es nicht, bei der Beschreibung gewisser Sitten, die nicht die unsrigen sind, zu warnen vor ungerechtem Verdammungsurteile. So sagt er in Bezug auf die Anschauungen der Eingebornen über Liebe und Ehe: «Die erste Erscheinung im hauslichen und dörflichen Leben des Melanesiers, die zu betrachten ware, ist die Liebe, ohne diejaein Gemeinwesen unmöglich ist. Immer ist über die Sitte der meisten Naturvölkergewimmertund gejammertworden,die den jungen unverheiratetenMadchen freien Geschlechtsverkehr nach eigener Wahl gestattet. Eine solche Auffassung ist weder gerecht, noch hat sie dort zum Segen geführt, wo man sie und ihreKonsequenzenbéiNaturvölkernhatdurchführen wollen». Was weiter über diesesThema und die Heirats gebrauche gesagt wird (S. 87—89), ist höchst interessant. Beachtenswert ist auch, was der Verfasser über die Einführung europaischer Bekleidung bemerkt. «Man weiss ja nun», so aussert er sich S. 161, «dass die Europaer einer gewissen Richtung mit heissem Bemühen versuchen, den Vólkern der Iropen unsere Anschauungen über Scham aufzupfropfen, und eifrig dabei sind, als bestes und wirksamstes Mittel zur Erreichung dieses Ziels, jene Leute europaisch einzukleiden. Man fahrt fort, es zu tun, obwohl nachgewiesen ist, dasz durch dieses System ihre Moral nicht verbessert, ihr Gesundheitszustand aber ver-

schlechtert worden ist».

Nicht nur Sprachforscher, sondern auch Ethnographen werden dem Verfasser Dank wissen für seine Skizze der Grammatik derBarriai-Sprache (S. 167 ff.), denn wie er mit Recht hervorhebt, soll die Sprache uns bei der Suche nach Kulturzusammenhangen alsLeitstern vorausleuchten.

In der Skizze ist die Lautlehre verhaltnismassig ausführlich behandelt, was wohlbegründet ist, weil aus gewissen Eigentümlichkeiten und Veranderungen der Laute deutlich die Verwandtschaft mit anderen Gliedern der weitverzweigten malaio-polynesischen Sprachfamilie zutage tritt. L ebrigens weist der ganze Sprachbau, wie auch der Wortschatz darauf hin, dasz das Barriai sich anschliesst an jene Abteilung der Sprachfamilie, welche östlich der von Brandes gezogenen Linie verbreitet ist. Was die Erklarung einzelner Sprachformen — nicht die Tatsachen selbst — betrifft, möchte ich eine

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