Geen zoekvraag opgegeven

Tekst
Onderstaande tekst is niet 100% betrouwbaar

sagte, dass sie überhaupt sterben müsste? Wo stand es geschrieben? Und wenn sie noch zwanzig, oder sagen wir, nur noch zehn Jahre zu leben hatte — war da noch nicht Zeit genug, ein Testament zu machen? „Sind Sie sicher, Herr Notar?" — fragte sie. „Ganz sicher", bestatigte er. — Sie lehnte sich in den Kissen zurück und dachte eine Weile nach, eine sehr, sehr lange Weile, wahrend der Notar geduldig die gezückte Feder einen Zentimeter über dem Papier hielt.

Sie hatte sich endlich entschlossen. Sie stützte sich auf und sagte, ein bisschen verschamt: „Ich möchte nur die tausend Gulden hinterlassen, die ich hier im Hause habe, vorlaufig! Wenn's nötig ist, werd ich Sie nochmals bitten lassen. Zu drei Teilen, Herr Notar! 300 für die Armen, 300 für die Kirche, 300 für die Mizzi Schinagl. 100 bleiben für allerhand Kosten . Sie wusste nicht, was „allerhand Kosten" sein mochten, sie sagte es so hin. Es schien ihr, dass sie damit den Eindruck einer gewissen Grosszügigkeit erweckte. „Allerhand Kosten!" sagte der Notar, „das muss man spezifizieren." Und er schlug vor: „Leichenbegangnis und Grabstein!" Zwei Worte, die der Matzner, der eben noch todbereiten, in diesem Augenblick fürchterlich klangen.

Und schon schrieb er, der Notar, langsam, aber auch unerbittlich. Undurchsichtig war sein Körper, sein Kopf, sein Angesicht. Er mochte sich allerhand denken — oder auch gar nichts. Er war ein Beamter, er war ein versperrtes Amt. Was weiss man, was alles in einem verschlossenen Amt vorgeht, in einem kaiserköniglichen Notariat?

Die Matzner hielt den Atem an. Sie kostete die ganze Feierlichkeit des Vorgangs aus und zugleich ihre heimliche Gewissheit, dass sie noch langere Zeit zu leben hatte. Sie machte sozusagen ein Probesterben.

Sluiten