Geen zoekvraag opgegeven

Tekst
Onderstaande tekst is niet 100% betrouwbaar

„Die arme Marie-Luise ist blind", wurde getuschelt. „Sieht sie denn wirklich nicht, wie anstöBig sich die jungen Dinger betragen ?! Beide schminken sich ja, daB man meinen könnte, sie seien —, ich will lieber gar nicht sagen, was!" Die Damen schüttelten die Köpfe und schnitten Grimassen, als hatte man ihnen etwas Widriges in den Tee geschüttet. ,,Kein Wunder", sagten sie noch. „Die Rasse des Vaters schlagt durch." —

Frau von Kammer war keineswegs blind für die etwas riskanten Allüren ihrer beiden erwachsenen Kinder. Es schmerzte sie bitter, daB die Madchen sich nicht ihren Umgang in den konservativen, vornehmen Kreisen suchten, die das Milieu der Mutter waren und um deren Gunst der Geheimrat sich ein Leben lang, mit Zahigkeit und Erfolg, bemüht hatte. Woher kam ihnen nur der unglückselige Hang zur Bohème ? Dieser extravagante kleine Pariser — Marcel Poiret —, mit dem Marion fast ihre ganze freie Zeit verbrachte, war durchaus nicht nach dem Geschmack der Mama. Auch Martin Korella, den Marion schon als kleines Madchen gekannt hatte, kam Frau von Kammer etwas unheimlich vor. Seine schleppende Art zu sprechen, sein verhangener, zu süBer und zu trauriger Bliek, die selbstgefallige Ironie seiner AuBerungen —: „es paBt sich nicht für einen jungen Mann", sagte Marions Mutter, „und überhaupt, er hat so gar nichts Frisches."

Der Student, den Tilly ihren Brautigam nannte, Konni Bruck, machte einen sympathischeren Eindruck; aber Frau von Kammer wuBte, daB er sich mit Politik beschaftigte, und zwar auf ungehörige Weise. Er war mindestens Sozialdemokrat, vielleicht sogar Kommunist: die Geheimratswitwe wollte es gar nicht so genau wissen. Jedenfalls stand fest, daB er Tilly in politische Versammlungen schleppte — an Orte also,

Sluiten