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keit ihr noch nicht völlig gehorte, begann sie den Vortrag mit besonderer Vehemenz. Sie sprach eine Hymne von Walt Whitman an die Demokratie. „Oh Demokratie, ma femme!" Dabei breitete sie ent husiastisch die Arme, und aus ihren Augen leuchtete es starker denn je. Der Zauber ihrer Stimme wirkte wieder; er beruhigte und erschütterte. Besanftigt zugleich und auf schonere Art erregt, lauschten die Menschen, die eben noch besessen gewesen waren von den wirren Neuigkeiten des Tages. Eine Stunde lang vergallen sie den General von Schleicher, den Hauptmann Rohm, und jenen Hitier, der die beiden anderen vielleicht schon hatte umbringen lassen. Sogar der Prasident von Hindenburg sollte ermordet sein, wie manche besonders Eingeweihte wissen wollten — und die Reichswehr stand in offener Rebellion. All dies war beispiellos sensationell; nur schien es plötzlich weniger bedeutsam, da die Klagen und Weisheiten der langst Verstorbenen so nahe heran gebracht wurden und eine so schön beredte Sprache führten, durch das Medium von Marions Stimme, die aufrührerisch oder zartlich war, tödlich betrübt oder überschwenglich hei ter, geilend oder zart.

Nach dem Vortrag war der Beifall heftig, aber dauerte nicht sehr lang. Wahrend in den vorderen Parkettreihen noch ein paar Dutzend Menschen standen und leidenschaftlich in die Hande klatschten, wurden hinten schon wieder die Blatter mit den wilden, ungenauen Neuigkeiten herum gereicht und gierig diskutiert. Der General von Schleicher — lautete die Nachricht — marschierte an der Spitze derempörerischen Armee gegen Berlin. Es war zu schön und zu sensationell, um die Wahrscheinlichkeit für sich zu haben. Doch wollten alle es sehr gerne glauben. Niemand erkundigte sich, woherdie Gerüchte kamen. Sie schienen durch die Luft heran zu schwirren,

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