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Missionarin — und schone Verse zu deklamieren. Was soll es ? — fragte sie sich, so oft die Stunde der Anfechtung kam. Wenn sie abends mit ihren Handkoffern und Blumenstrauflen zum Zug fahren muBte, fühlte sie sich manchmal derart matt und zerbrochen, daB sie erwog, den Rest der Tournee telegraphisch abzusagen und einfach zu bleiben, wo sie gerade war; in irgendeinem Hotelbett liegen zu bleiben, keine Zeitung mehr anzuschauen, keinen Telephonanruf mehr zu beantworten, die Augen geschlossen zu halten, zu schlafen . . .

Die D-Zug-Nachte konnten auf die Dauer kaum bekömmlich sein. Marion traumte zu viel, und fast immer waren es arge Traume. Früher hatte es so schlimme nicht gegeben. Damals hatte sie nur getraumt, daB sie wieder auf der Schulbank sitzen müsse und eine gar zu schwere Prüfung zu bestehen habe; oder sie stand auf der Bühne, ohne ein Wort Text zu wissen; oder sie muBte nackt über den Potsdamer Platz. Jetzt traumte sie einfach, daB sie sich in Deutschland befinde, und es war tausend Mal beangstigender. Sie schlenderte über eine Berliner StraBe; zunachst fiel ihr nichts daran auf. Allmahlich kamen Bedenken: Warum bin ich eigentlich so lang nicht hier gewesen ? Das muB doch einen Grund gehabt haben . . . Mit dieser Frage setzte die dumpfe, qualende Beunruhigung ein; der eigentliche Alptraum begann. „Ich habe wohl Feinde hier, sehr grausame Feinde, wahrscheinlich verfolgen sie mich — ich muB ein recht sicheres, unauffalliges Wesen zur Schau tragen und langsam gehen, dann bleibe ich vielleicht unbemerkt. Warum schauen mir denn die Leute so nach ? Mein Gott, ich habe ja eine von diesen Emigranten-Zeitungen in meiner Tasche, die sind hier doch verboten, es gilt als ein Verbrecher, sie mit sich zu führen — ich kann die Zeitung nicht mehr ver-

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