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sterben —: sie wuBte es, und sie litt. Sein eingeschrumpftes Buddha-Gesicht trug schon die Zeichen, vor denen sich der Lebende graut. Die Liebende freilich fürchtet sich nicht, ihn zu küssen. Aber sieerschrickt vor seinem viel zu sanften, viel zu fernen Bliek.

War nicht auch dies Heimweh, von dem er jetzt so viel sprach, ein Symptom des Erlöschens ? Es bewies wohl, daB er Abschied nehmen wollte. Als er Deutschland verspottete, war er echter, jedenfalls gesunder. Nun schamte er sich nicht, von Mondscheinfahrten auf oberbayrischen Seen oder auf dem Rhein zu schwarmen. Er breitete den Plan der Stadt Frankfurt am Main auf den Knien aus, um mit dem Finger den Schulweg seiner Kindheit nachzufahren. Früher hatte er mit einem Achselzucken gesagt: „Ich bin gar kein Deutscher!" DaB seine Mutter aus Italien stammte, war oft erwahnt worden. Plötzlich gestand er: sie war in München geboren, Italiener war nur ihr Vater gewesen. Niemand hatte ihn danach gefragt, aber er legte Wert darauf, es festzustellen. „Ich bin deutsch, durch und durch — mögen die dummen Nazis es auch bestreiten." — Die Sirowitsch war schauerlich berührt von solchen Reden. Kamen sie aus dem Munde ihres ironischen Nathan-Morelli ?

Als er noch gesund und boshaft war, hatte er wenig Freunde. Jetzt, da Abschieds-Milde ihm Bliek und Lacheln verklarte, zog er die Menschen an. Er war fahig, ihnen zuzuhören, weil die eigenen Angelegenheiten ihm nun gleichgültig waren. — Manchem wurde es zur angenehmen Gewohnheit, sich am Lager dieses sanften, klugen Kranken auszusprechen.

David Deutsch freilich schien entsetzt zu sein über die eigene Kühnheit. „Ich überfalle Sie," murmelte er, noch in der offenen Türe — das blauschwarze Haar gestraubt, wie aus Schrecken über sein

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