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fühlten — so schrecklich in den Ohren, dass sie jede Kunstausserung, die nicht ihrer retrospektiven Sehnsucht nach Beruhigung entsprach, mit dem Warnungsschild ,,Junge Kunst" versahen, was so viel sagen wollte wie: „Vorsicht — es ist nicht wie vor dem Kriege, also verdachtig umstürzlerisch zu sein!" Und so ist es heute noch: es kann einem Grossvater passieren, dass er von sich in der Zeitung liest, er mache,,junge Kunst". So ist , Jung-sein" in der Kunst zu einer verdachtigen Eigenschaft und „Junge Kunst" wie einst Barock und Gotik zu einem Scheltwort geworden — in einer Zeit (o seltsamer Widerspruch), in der selbst jeder Schrebergartnerverein es als selbstverstandliche Ehrenpflicht ansieht, die Jugend mit wehenden Fahnen an der Spitze marschieren zu lassen.

Aber ich ware ungerecht, und das Bild ware unvollkommen, wenn ich ein anderes Erlebnis verschwiege.

Unter den Bildern, die Gert Wollheim nach der Heimkehr gemalt hatte, war eines, das einen Verwundeten auf dem Schlachtfeld darstellte. Am Rande eines Granattrichters, vom giftigen Licht einer Leuchtkugel beschienen, baumte sich zwischen zwei zerschossenen Baumen in schauriger Einsamkeit ein Mensch auf. Sein Bauch war von Bajonettstichen und Granatsplittern zerrissen. Seine Füsse bohrten sich vor furchtbarem Schmerz in braungrüne Erde. Sein Gesicht aber war der unendlichen Ewigkeit zugekehrt. Die Augen, zwischen vor physischem Schmerz verzerrten Muskeln, waren geblendet und geschlossen. Arme und Hande bemühten sich nicht, das mit den Darmen aus dem Leib quellende Leben zurückzuhalten. Sie waren in klagender Frage erhoben. Vor diesem Menschen in seiner Qual lag, ein lebloser, blutbefleckter Gegenstand, das Bajonett, das ihn zerfetzt hatte.

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