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Wertschatzung des Schillerschen aktivistischen Idealismus und des Goetheschen intuitiven Universalismus kann man auf den jeweiligen seelischen Zustand der Deutschen schliessen. Dieser hangt sehr von dem Grade ihrer politischen Misere ab. So ist die Forderung: Zeittheater und nichts als Zeittheater in der Republik der vierzehn Jahre wohl Ausdruck der politischen Misere jener Zeit, aber zugleich auch des aktivistisch-idealistischen Willens: den Künstler, den eine nur utilaristischen Zielen nachjagende Gesellschaft aus ihrer Mitte gedrangt oder zum Diener ihrer Erholungsstunden degradiert hatte, wieder in seine Rechte eingesetzt zu sehen. Mit Schiller gesprochen: von der zuerst gegebenen Idee zum Individuum herabzusteigen.

Die Forderung nach dem Zeittheater galt aber nicht allein für die Dichtung sondern auch für die Schauspielkunst, d.h. die bühnenmassige Gestaltung der Dichtung durch Regisseur und Ensemble, Bühnentechniker und Bühnenmaler, Bühnenmusiker und Bühnentanzer.

Seit der Jahrhundertwende hatten sich die von Gordon Craig ausgegangenen Theaterreformen auf den privaten Bühnen Deutschlands durchgesetzt: die Aufteilung der Szene in die rhythmisch gegliederte und nach besonderen Gesetzen der Raumkunst gestaltete Vorderbühne und den eigentlichen Schauplatz, der nicht mehr nur illustrative Umrahmung der Spielflache sondern Akzentuierung des Spiels ist. In Berlin zog Max Reinhardt das fortschrittliche Bürgertum machtig an. Im Rheinland gaben Louise Dumont und ihr Gatte und Mitarbeiter Gustav Lindemann dem deutschen Theater trotz fanatischer Widerstande des konservativen Bürgertums neue Impulse.

Die zahlreichen Hoftheater der Könige, Grossherzöge und anderen Fürsten dagegen wurden bis 1918 von

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