Onderstaande tekst is niet 100% betrouwbaar

11

als des attributiv vorangestellten Partizipiums Grenzen gezogen sind, die nicht leichthin überschritten werden dürfen, Grenzen, welche enger sind als im Englischen und Französischen, aber auch im Niederlandischen. Die ersten der obigen Belege mit Auxiliarpartizip könnten anstandslos wörtlich ins Hollandische übersetzt werden. Die letzten dagegen, soweit sie sich mit dem ndl. Idiom vertragen, würden, ebenso wie die von Andresen, Sprachgebrauch und Sprachrichtigkeit1 S. 161 gerügten Satze 7fs hat dem Ewigen getallen, meine seit 23 Jahren besessene Frau abzurufen; eingefallener Jüngling, und dgl. wegen der Zweideutigkeit des Partizips oder vielmehr wegen des Kebengedankens, den wir mit dem Gebrauch desselben verbinden, auch auf den Hollander einen komischen Eindruck machen. Derartige Entgl eisungen haben j edoch mit dem Gebrauch an sich nichts zu tun. Jede Sprache wird ihren „deelwoordenjammer" *) haben. Ubrigens möchte ich an dieser Stelle dar auf hinweisen, dasz in letzter Zeit ein milderer Wind durch die deutsche und niederlandische Grammatik weht. Mit den „Sprachdummheiten", „sprachlichen Sünden" oder wenigstens „Verstöszen gegen den richtigen Sprachgebrauch" suchen sich die nicht mehr nach logischen, sondern vielmehr nach psychologischen Gesetzen verfahrenden Philologen 2), wenn nicht gerade abzufinden, so doch in glimpflicher Weise auseinander zu setzen. Dies is namentlich den Partizipialkonstruktionen zugute gekommen. Man darf nicht aus den Augen verlieren, dasz das satzartige Partizipium, jenes zwitterhafte Mittelding zwischen Nomen und Verbum, eine besondere Stilform beansprucht, die hohe Anforderungen an die syntaktische Kunstfertigkeit des Skribenten stellt3). Sogar Goethe beklagte sich, dasz die Partizipialkonstruktionen ihm nicht

IJ Charivarius in „Het Weekblad van Nederland".

2) J. Grimm war dem Part. nicht abgeneigt, wie aus seiner Behandlung des absol. Part. und aus seinen fibrigen Schriften hervorgeht, Th. Matthias „Sprachleben und Sprachschaden" hat aus Zweckmaszigkeitsgründen schon manche Mwfügung in Schutz genommen, E. Engel „Deutsche Stilkunst" wettert gegen frühere Strenge, H. Paul in seiner Deutschen Grammatik spricht nur von „ungenauer Verknüpfung", 0. Behaghel, namentlich im II. Bande seiner jüngst erschienenen Deutschen Syntax betont — und billigt — die kraftige Wirkung der Kontamination in der Sprache des lassig denkenden Volkes.

3) Vgl. G. S. Overdiep, Over het Ndl. Part. Pras, Tijdschrift v. T. en L. 36, S. 222.

Sluiten