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geraten wollten ]). H. von Kleist und E. T, A. Hoffmann haben ihrer Vorliebe für diese Fügungen manches Opfer gebracht. Grillparzer laszt sich in der „Ahnfrau" Vs. 1217-18 folgende „Ungeheuerlichkeit" zu Schulden kommen: Teils g e t ö t e t, teils g ef an ge n, retteten sich wenige nar.

Doch nicht blosz dasz diese schwer zu handhabenden Gebilde dem Autor manchmal ein Schnippchen schlagen, sie erschweren auch oft dem Leser das richtige Verstandnis. So zeigt Brodführer, Untersuchungen zur vorlutherischen Bibelübersetzung (Halle 1932) S. 25, dasz die drei Ubersetzer den Satz aus der Vulgata! Act. 14.3 Multo igitur tempore demorati sunt, fiducialiter agentes in Domino, testimonium perhibente verbo gratiae suae, d ant e signa durch falsche Auf lösung des Partizips im Deutschen alle drei fehlerhaft wiedergeben, und zwar jeder auf andere Weise. Die lateinischen Partizipia gestatten aber meistens vermöge ihrer Flektionsendung immerhin noch eine einwandfreie Deutung. In den germanischen Sprachen ist diese Endung allmahlich verschwunden; hier fallt somit ein für das Verstenen wichtiges Unterscheidungsmittel fort. 2) Bei den neuern Schriftstellern stoszen wir nicht selten auf Satze, die durch die mangelhafte Ausdrucksmöglichkeit der Mittelwortfügung undeutlich werden. In Ricarda Huchs Roman Erinnerungen vod Ludolf Ursleu dem Jüngern (Berlin 1919) S. 7 lesen wir: In diesem Sinne schreibe ich die Geschichte meiner Erlebnisse, verborgen vor jedermann. Man weisz nicht, ob das Part, sich auf i c h, auf Geschichte oder auf Erlebnisse bezieht, Auch die Fortsetzung: denn eine fromme Legende wird es nicht sein klart un$ nicht genügend darüber auf, wer oder was vor jedermann verborgen sei.

Weniger unklar sind Satze, in denen die Partizipialkonstruk-

1) An Riemer im Jahre 1812, vgl. Euphorion IV (1897) S. 160.

2) Ich denke dabei an Falie wie Faust I, 2048: eritis sicut deus, scientes bonum et malum (Vuig. I Mos. 3, 5 hat dii), welche Luther richtig übersetzt: und werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist; dagegen laszt Vuig.: Actus apost. 2, 5 Er ant autem in. lerusalem habitantes ludaei (Luther: Es waren aber Jiiden zu Jeruzalem wonend) durch die Zweideutigkeit von e s und waren verschiedene Auslegung zu. Nach Behaghel, II, S. 382 haben wir hier mit einer periphrastischen Umschreibung zu tun, die „Leidsche Bijbelvertaling" (das N. T. von H. Oort, 1912) übersetzt die Stelle durch: Nu waren er Joden, die in Jerusalem woonden.

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