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Martin Luther.

Luther liesz sich, seinen eignen Aussagen nach, von frühern Bearbeitungen nicht beeinflussen. In bewuszter Sprachgestal* tung schritt er unbeirrt vorwarts. „Ich hab mich des gevlissen im dolmetschen, das ich rein vnd klar deudsch geben möchte," sagt er 1530 in seinem „Sendbrieff von Dolmetschen." „Vnd ist vns wol of ft begegnet, das wir xiij tage, drey, vier wochen, haben ein einiges Wort gesucht vnd gefragt, habens dennoch zu weilen nicht funden.... denn man mos nicht die buchstaben jnn der Lateinischen sprachen f ragen wie man sol Deudsch reden.... Sondern man mus die mutter jm Hause, die kinder auff der gassen, den gemeinen mann auf dem markt drümb fragen, vnd den selbigen auff das Maul sehen, wie sie reden, vnd darnach dolmetschen." Für die Namen der Edelsteine in der Offenbarung Joh. 21 bat er seinen Freund Spalatin um „schlichte Wörter, keine Schlosz- vnd Hofwörter (siehe G. Kawerau in der Beilage zum Neudruck der Septemberbibel, Berlin o. J. S. 6).

Aus diesen Worten sollte man schlieszen, dasz Luther von den Mittelwortfügungen nur einen sparlichen oder gar keinen Gebrauch machen würde, wie sein Zeitgenosse Pauli (s. oben). Denn diese gehören doch nur der Kunst- und gehobenen Schriftsprache an und stehen gewöhnlich, wie wir so oft haben f est stellen können, unter dem Einflusz fremder Muster. In der volkstümlichen Rede pflegen Partizipia nur dann gebraucht zu werden, wenn sie sich als attributive oder prad. Bestimmungen dem Satzgefüge fest eingliedern (Wilm. III, 1 § 60).

Es ist aber eine langst bekannte Tatsache, dasz der S a t z b a u von Luthers sprachschöpferischer Tatigkeit fast ganz unberührt geblieben ist. Viele seiner langen Perioden stehen den „Verschnörkelungen des neolateinisch = canzleünaszigen Barockstils" durchaus nicht nach (H. Rückert, a. a. O. II, S. 123). Obgleich auch meine Untersuchung zu demselben Ausspruch berechtigt, kann man doch andererseits dem leidenschaftlichen Verfechter einer einheitlichen Schriftsprache das Verdienst nicht absprechen, dasz

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