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Regeln und zahllosen Ausnahmen verhaszt1). Und die Autorschaft Gottscheds wird ihm auch keine Empfehlung für die „Deutsche Sprachkunst" gewesen sein; Vielmehr ist der Grund dieser, dasz die attributiven Partizipialkonstruktionen in die rastlos fortschreitende Handlung nicht passen würden. Der junge Goethe „erlebt", was er schreibt. Nicht vom Blickpunkt der Vergangenheit stellt er dar; sein Werther z. B. scheint unter seiner. Hand zu entstehen. Die Partizipialstrukturen sind aber durchweg Schöpfungen nachtraglicher Überlegung (siehe unten). Als weiterer Umstand ist in Betracht zu ziehen, dasz die damalige Zeit (um 1770) den satzartigen Partizipien noch nicht gunstig gesinnt war. Langsam brechen sie sich auch bei ihm Bahn. Wilhelm Meisters Theatralische Sendung enthalt auf den ersten 80 Seiten neben 9 absoluten und 13 pradikativen Fügungen 9 attributive, von denen nur 2 rein attributiv genannt werden können. In W. M. Lehrjahren sind auf derselben Anzahl Seiten die Zahlen resp. 8, 5, 11 und 3 2).

Spater wird ihr Gebrauch haufiger. Goethe's f eines Sprachgefühl konnte auf die Dauer die Wiederholung der „Auxiliaren aller Art" nicht ertragen, und suchte sie durch Mittelwortfügungen zu beseitigen. „Vielleicht gelingt Ihnen hie und da die Umwandlung in die Partizipial-Construktion, die ich scheue, weil sie mir nicht gerathen wiHn, schrieb er den 6. Juni 1813 an seinen Sekretar Riemer, als er diesem die Handschrift des 11. und 12. Buches seiner Autobiograpbie Dichtung und Wahrheit zuschickte 3).

Es ist aber nicht unmöglich, dasz Goethe auch von seinen Zeitgenossen, namentlich von Schiller, zum Gebrauch derselben angeregt worden ist. In wiefern Riemer der Aufforderung Goethes Folge geleistet hat, ist mir nicht bekannt. Wahrscheinlich sind die Veranderungen nicht bedeutend gewesen. Goethes Indifferenz in Sachen der Grammatik galt nur für die Rechtschreibung; was die syntaktische Gliederung des Satzes betraf, liesz er sich von

1) Vgl. Dichtung und Wahrheit, Bnd. 22, S. 34 und 143; 23, S. 30 und 24; S. 38.

2) Das „Marchen" enthalt nur ein paar attributive Fügungen, was mehr auf . die schlichte Darstellungsweise als auf eine besondere stilistische Neigung des Dichters zurückzuführen sein dürfte.

3) Zitiert nach G. Rausch, Goethe Und die deutsche Sprache (Leipzig— Berlin 1909), S. 101.

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