Onderstaande tekst is niet 100% betrouwbaar

156

Mittelwörter hatte auch Luther eine grosze Vorliebe; die Fügungen mit dem ersten Partizip vermied er, wie er auch der periphrastischen Umschreibung den Todesstich versetzt hat. Seit Fischart wird die Voranstellung üblich, die nachgestellten werden stets seltener. Gottsched tritt einem neuen Ansturm energisch entgegen; er scheint es aber am meisten auf die absol. und prad. Fügungen am Satzanfang abgesehen zu haben. Lessings Zergliederungsstrukturen, oft in Satzen ohne Verb. fin., Herders elliptische Fügungen nach einem Hauptsatze mit sein, und schlieszlich Schillers und des alten Goethes Prosastil machen sie im Deutschen wieder heimisch; sie wechseln in den Personenbeschreibungen oft mit absoluten Strukturen ab. Seitdem bat sich in ihrem Gebrauch wenig geandert. Die ersten Mittelwortfügungen sind seit Luther selten geblieben. Sie beschranken sich auf den adjektivischen Gebrauch; wo sie sich mehr oder weniger dem Verb. fin. nahern, werden sie nur dann geduldet. wenn sie durch eine gröszere Begleitung nicht auffallen. Nach einem Pronomen sind sie selten. Satze wie N. v. Wyle: daz er.... wenig ützit fund zu zierung loblichs gedichtes dienende, oder E. Th. A. Hoffmann: Jeder wider Ofterdingen s i n g e n d, jeder ihn b e sie ge nd, erhielt den Preis (siehe oben S. 110) werden als undeutsch gebrandmarkt.

Die zweiten Mittelwortfügungen haben im Deutschen, wie gesagt, eine gröszere Verbreitung gefunden. Abgesehen von Verben, die nicht ins Passiv verwandelt werden können, wie heli e n, vorangehen, (folgen schwankt schon), glaube ich nicht, dasz, was die Verwendbarkeit der Verba betrif ft, zwischen den beiden Sprachen ein wesentlicher Unterschied bestebf. Die 400 Zeitwörter, die sich in den herangezogenen deutschen Schriften an ihrer Bildung beteiligt haben, werden wohl das ganze attributive Gebiet umfassen. Wenn aber in den Schwestérsprachen die Möglichkeit, Partizipialbestimmungen zu bilden, dieselbe ist, so ist doch die Neigung dazu im Ndl. viel groszer. Im Deutschen sind es nur ein paar Gruppen, welche sich gern zur Bildung derselben hergeben. Dazu gehören zunachst die Verben der Namengebung: genannt, welche Fügung eine der altesten und weitaus die haufigste ist1}, geheiszen, betitelt, titulier t; mit g e-

1) Ebenso wie das Ndl. voorset t, voornoemd und zij nd e, ist im Deutschen das Part. genannt durch allzuhaufigen Gebrauch völlig abgenutzt. Erst entstanden in Namens (namens), mit Namen Kon-

Sluiten