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S. 382). In einem Schreiben des Nürnberger Rats an Ulm und Ravensberg vom 13. Dez. 1443 heiBt es: „bedeüchte es dann ewrer liebde geratten sein". Die Form liebde ist vielmehr von niederdeutschem Ursprung. Wyle selbst nennt sie „flemisch". Es ist die verhochdeutschte Form des niederiandischen „liefde" statt des alteren hochdeutschen „liebe". Die Form „uwe liefde" kommt vom Anfang des 15. Jhts. in Niederdeutschland vor. 1417: Herzogin Maria von Cleve an Herzog Adolf von Berg: Also uwe lieffden ons hebn doen bidden .... begern wif uwen lief fden . ... die wil wy gerne met U dielen; vgl. Ehrismann Ztschr. f. d. Wortforschung VI S. 212. Erst im 16. Jht. wendet der Kaiser in offiziellem Stil den Fürsten gegenüber „Deine Liebden" an (vgl. Keiler Ztschr. f. d. Wortf. V S. 159). Niclas von Wyle fühlt ganz fein den Ursprung dieser Wörter rachtung, liebde. Wir können also auch annehmen, daB seine Bezeichnung „rinisch" von geen und steen richtig ist. Er hat hier jedenfalls geen und steen nicht als kaiserlich gefühlt, wahrend er doch die Formen zwischen unser und ewer ganz richtig österreichische nennt (Das BewuBtsein, daB hier die Kaisersprache gewirkt, hatte Wyle nicht. Der Oenitiv nach zwischen kommt dazu auch zu wenig in dieser Sprache vor).

Haben und lassen.

Ob in der Verdrangung des kurzen han und lan die Kaisersprache mitgewirkt hat, wird wohl unentschieden bleiben. Die Formen haben und lassen kamen doch schon zur Zeit Friedrichs III. in den meisten Kanzleien neben han und lan vor.

Die Endung -ent in der 3. Ps. Plur. Pras. Ind.

Ebenso wird es unentschieden bleiben, ob die Sprache der Habsburger, die bis auf verschwindende Ausnahmen nur -en als Endung der 3. Ps. Plur. Pr3s. Ind. kennt, EinfluB bei der Verdrangung des -ent ausgeübt hat. Beachten wir die Tatsache, daB vorwiegend die Kanzleien und Schriftdialekte im Süden -ent in der 3. Ps. Plur. Pras. kennen, haufig auch in der 2. und in der 1. Ps. (Bayern, besonders noch in der ersten Halfte des 15. Jhts.,

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