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liche annaherte, teils durch unmittelbare Herübernahme ihrer Eigentümlichkeiten, teils dadurch, daB die lautliche Entwicklung des Mitteldeutschen selbst dem Lautstand der kaiserlichen Kanzlei in einzelnen Punkten zustrebte." „Mit Entschiedenheit" nahert sie sich der Kaisersprache an. Behaghel setzt hier also ein bewuBtes, absichtliches Herübernehmen der Eigentümlichkeiten der kaiserlichen Kanzleisprache voraus. Den Oedanken an eine bewuBte, absichtliche Übernahme treffen wir in denselben Worten in mehreren Handbüchern an ; vgl. u. a. Sozin, Schriftsprache und Dialekte (1888) S. 161 : „In dem Bestreben" — nl. in der kursSchsischen Kanzlei — „das Mitteldeutsche gegen das Hochdeutsche auszugleichen, hielt man im Allgemeinen an der Maxime fest, da, wo sich Schwankungen zeigten, die Form zu begünstigen, welche mit der oberdeutschen übereinstimmt, wo aber im Oegensatz zum Oberdeutschen die mundartliche Form feststand, die letzte nicht zu verdrangen." Ahnliches wird von Weise in „Unsre Muttersprache" (1909) S. 18 verkündigt: „Daher fanden die kursachsischen Oeheimschreiber, die seit der 2. Halfte des 15. Jhts. dem Vorgange des Kaiserhofs folgten, in Fallen schwankenden Sprachgebrauchs dort eine feste Norm." Franke (Qrundzüge der Schriftsprache Luthers I 1913 S. 28) weist wieder auf die Quelle hin: „Wülcker stellt die sehr ansprechende Behauptung auf, daB sich damais in der kursachsischen Kanzlei der Oebrauch ausgebildet habe, in allen Fallen, wo ein Schwanken vorhanden war, die Form zu bevorzugen, die in der gleichzeitigen kaiserlichen Kanzlei gebrauchlich war." Wir stoBen hier wieder auf denselben Aufsatz Wülckers in der Zeitschrift des Vereins für thüringische Oeschichte. im groBen und ganzen mag es richtig sein, wie er die Entwicklung der kursachsischen Sprache schildert, vor allem das Durchdringen der nhd. Diphthonge in der Kanzleisprache — meines Erachtens setzt er noch zu viel Absichtlichkeit voraus —, ob jedoch die kaiserliche Kanzleisprache die Umbiegung der kursachsischen Kanzleisprache veranlaBt hat, bleibt zweifelhaft. Der Beweis wird nicht geliefert. Unrichtig scheint mir wieder die Behauptung Wülckers, daB sich in der kursSchsischen Kanzlei der Oebrauch ausgebildet habe, in allen Fallen, wo ein Schwan-

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