Onderstaande tekst is niet 100% betrouwbaar

164

Wir sehen in dieser Übersicht eine Masse „schwankende Falie". Der Sekretar und der Kanzier schreiben anders als der Kurfürst und der Kanzier wieder nicht so „modern" wie der Sekretar.

In welchen schwankenden Fallen „wahlt" nun der Sekretar die Schreibung der kaiserlichen Kanzlei?

u vor n wird o; für fruntlich : freuaükh; für anl. sz schreibt er s ; für anl. ff: f oder v ; für anl. zc : tz und z ; übertriebenes Dehnungs-A schwindet; h nach st und ausl. d schwinden ebenfalls; statt-/rf steht-#; die Zerdehnung, das Prafix iw und o für u schwinden, letzteres freilich nicht ganz; statt nicht schreibt er: nit.

All diese Veranderungen gehen in der Richtung der kaiserlichen Kanzleisprache, aber auch in der der süddeutschen und der östliëhen mitteldeutschen Kanzleien. Der Beweis, daB das Bestreben der kaiserlichen Sprache zu folgen, diese Veranderungen bewirkte, kann nicht geliefert werden, denn spezielle Eigentümlichkeiten der Kaisersprache, wodurch sie sich von den mittel- und süddeutschen gerade unterscheidet, zeigen sich nicht. Eher lieBe sich sogar das Oegenteil beweisen, daB nl. in schwankenden Fallen die Form geschrieben wird, die den meisten mittel- und süddeutschen Kanzleien gelaufig ist. Dann müBten solche Schreibungen angetroffen werden, welche diese Kanzleien haben und die Kaisersprache nicht besitzt. „Wahlt" der Sekretar auch solche Schreibungen ? Ja! Statt des ai des Kurfürsten und der Kaisersprache schreibt er ei; statt bringen, wie der Kurfürst, schreibt der Sekretar brengen, das in der Kaisersprache ungewöhnlich ist; statt des nn aus der Kaisersprache: n ; statt sch -f Kons.: s -f- Kons., wahrend doch zu dieser Zeit sch schon regelmaBig in der Kanzlei des Kaisers vorkommt; statt des ue der Kaisersprache: u. Von der haufigen Synkope der Kaisersprache zeigt sich bei ihm keine Spur.

Noch starker ist die Abweichung von der Kaisersprache beim Kanzier sichtbar:

Öfter u vor Nasal (Kaisersprache sehr oft: ö); o in Prapositionalverschmelzungen (Kaisersprache: a), vorwiegend ei (Kaisersprache : ai); sz im Anlaut (Kaisersprache: s); haufig zc im

Sluiten