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vveil so etwas weder von ihm noch von andern Myrmicologen je wahrgenommen ware, sondern auch weil dies per se ununmöglich und deshalb ein biologisches Unding ware. Dann würde man ja den Ameisen eine auf Überlegung beruhende Kenntnis von „Mein" und „Dein", von Eigentum und Pflicht zuschreiben mussen, und das ware rein menschliche Phantasie. Falie von Diebstahl sind jedoch auch bei Bienen, Vögeln und Hausdieren bekannt, und viele Wahrnemungen zeigen, dass einige Tiere das Unerlaubte desselben gewissermassen einsehen. Ungesellig lebende Raubtiere wie z. B. Katzen sind sich dessen gar nicht bewusst. Sie sind in dieser Hinsicht in der Tat geboren Diebe. Hunde sehen es allein insoweit ein, insofern sie wissen dass vermutlich Strafe die Folge davon sein wird. Sehr viele Diebe unter den Menschen stehen freilich auf demselben Standpunkt. Aber bei socialen Insekten und mehr oder weniger gesellig lebenden Vögeln scheint in der Tat auch das Bewusstsein, dass solche Handlungen dem Gesamtwohl, dem sozialen Interesse widersprechen, sehr deutlich vorhanden zu sein. Ich werde noch spater naher darauf zurückkommen. Die Diebstahle von Hunden und Katzen betreffen übrigens keine Gegenstande wie Nester oder Honig d. h. Produkte eigner Arbeit, in Bezug auf die sich der Begriff des Eigentums wohl früher entwickelt haben dürfte, als auf irgendein hier oder dort gefundenes* Fressen. Zu dem Verstandniss, dass letzteres sich anzueignen unerlaubt ware, dürfte wohl eine höhere geistige Entwicklung erforderlich sein, als sie noch bei irgendeinem Tiere anzunehmen ist. Unter den Menschen stehen Wilddiebe noch ungefahr auf demselben Standpunkt und nicht viel höher stehen viele Glieder auch der gebildeten Kreise, die sich nichts daraus machen, den Staat, d. h. die Gemeinschaft, durch Umgehung der Zollgebiihren zu bestehlen. Denn dass Tiere durchaus keine abstrakten Begriffe haben könnten, behauptet W. auch wohl, obgleich doch eine ernste Untersuchung das Gegenteil beweist. Als ein wahres Schlagwort hantiert er auch mit dem Vorwurf der Vermenschlichung des Tieres, obgleich er doch an andern Stellen zugeben muss, dass bis auf einen gewissen Grad sogar die psychischen tierischen Ausserungen

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