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der Philister, Simson gefangen zu halten und seiner Kraft zu berauben. Dass Simson die Anschlage zn nichte macht, die Bande zerreisst und in seine Heimat zurückkehrt, erklart sich daraus, dass die Sonne n ie mals im Westen bleibt, sondern immer wieder ungehemmt mit ungebrochener Kraft im Osten aufgeht. Bezeichnend ist in dieser Beziehung besonders die Erzahlung in Jud. 16, 1—3. Da kommt Simson nach Gaza und liegt über Nacht bei einer Hure, wahrend die Einwohner am Stadtthor aut' ihn lauern, um ihn bei Tagesanbruch zu erwürgen. Simson aber erhebt sich um Mitternacht, ergreift heide Thüren am Stadthor samt den beiden Pfosten, hebt sie aus mit den Riegeln und triigt sie auf seinen Schultern hinauf auf die Höhe des Berges vor Hebron. Dass der Sonnengott im Westen nicht zurückgehalten werden kann, sondern jeden Morgen im Osten wieder aufgeht, ist aucli hier der allgemeine Grandgedanke. Die Hure, bei der Simson die Nacht zubringt, ist die Finsternis, „die Herrin der Unterwelt'', von der in den aegyptischen Texten die Rede ist ]). Der Durchbruch Siinsons aber um Mitternacht erklart sich daraus, dass nach der aegyptischen Mythologie die zwölfte Stunde der Nacht es ist, in der der Sonnengott die letzte Pforte der Unterwelt passirt, und in den Schlund des Nun eintritt, um da aufs Neue gebildet zu werden (137). Weun ferner Simson die Pforten des Stadtthors von Gaza sammt Pfosten und Riegeln auf die Höhe des Berges vor Hebron tragt, so hiingt dies wolil damit zusammen, dass nach aegyptischer Vorstelluug in der östlichen Himmelszone von On die Himmelspforte war, aus welcher, nachdem der Riegel zurückgeschoben ist, der Sonnengott zu neuem Laufe hervortritt. Diese Pforte des Sonnengottes wird hier als die erbeutete Stadtpforte von Gaza vorgestellt, und bezeichnend ist, dass die Pforte gerade bei Hebron niedergesetzt worden sein soll, dem mit Mamre identischen Ort, den wir bereits als uralte Cultstiitte des

1) Cf. Lieblein, Das Todtenreich der alten Aegypter, in Etudes dudiées a Mr. Leemans, p. 11.

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