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seiner Mythenbildung gewonnen haben, erscheint es durchaus nioglich, dass es gelingen könnte, unter anonym überlieferten Erzahlungen sagengeschichtlichen Inhalts nikandrisches Gut als solches zu erkennen und auszuscheiden. Mythen, welche Nikander neu erfunden oder neu gestaltet hat. wird man allerdings nur bei Dichtern und bei solchen Mythographen zu finden envarten. welche in der Art des Hygin einzelne aus ihrem Zusammenhange losgelöste Mythen aufreihen. In die allgemein verbreitete, so zu sagen klassische Form der Heldensage hingegen, so wie sie im Grossen und Ganzen in der Bibliotheka des Apollodor vorliegt, sind derartige Neubildungen nicht mehr autgenommen worden. Die aitolischen Genealogieen in der Bibliotheka z. B. sind nur die althergebrachten; es ist niclits darin. dass auf die spatere Ausbreitung der aitolischen Herrschaft iiber Xordgriechenland deutete. Dieses ist nicht durchaus als eine Folge der Art und Weise zu betrachten, in der Nikander seine Stammbaume und Sagen gebildet oder verbildet hatte, denn sehr vieles. was in der Heldensage für alle Zeiten Geltung erhalten hat. war in archaïscher Zeit mit kaum geringerer Kühnheit zur Begründung irgend einer gewaltsamen Eroberung oder Machtsausdehnung erfunden worden. Zur Zeit. da Nikander schrieb. war jedoch der Fluss der hellenischen Dichtung bereits einigermassen ins Stocken geraten und die Gelehrten rechneten jedenfalls schon mit dem Begriff des „Klassischen," wie wir es nennen würden, als mit dem Tatbestand einer so gut wie abgeschlossenen Kulturperiode. Für die Neugestaltung der nordgriechischen Heldensage, wie sie Nikanders \\ erk enthielt, war in ihren zusammenfassenden Darstellungen kein rechter Platz mehr, wobei noch zu beachten ist, dass die neue Machtstellung Aitoliens in Hellas, auf der jene aufgebaut war, bereits ein Menschenalter nach dem Tode des Dichters ganzlich zusammenbrach J). [ch hebe hervor, dass ich n'cht die ganze mythographische Litteratur mit der Absicht durchforscht habe, auf neu-aitolische Sagen und Genealo-

■) Macrobius (Sat. V, 22) bezeugt. dass Didymus Nikander einen poeta fabulosus (d. h. lügenhaft und phantastisch) gescholten hatte.

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