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Wahl hatte, ob er sich einem anderen hellenistischen Dichter oder der Mythologie der klassischen Jahrhunderte, m. a. W. der guten alexandrinischen Gelehrsamkeit in die Arme werfen wollte. Es ist von vornherein wahrscheinlich, dass er diese Wege gelegentlich alle gegangen ist. Diese Möglichkeit erschwert die kritische Quellenuntersuchung der Metamorphosen ungemein, und zwar ist der zuletzt aufgeftihrte Pall fur den analysierenden Forscher der schlimmste, weil durch das Heranziehen der klassischen Form der Sage gerade. jene Eigentümlichkeiten verwischt werden konnten, durch die man sonst eventuell die 1 endenz, die lokale Parbung und vielleicht den Urheberdeszu Grunde liegenden dichterischen \ orbildes hatte erkennen können. Es muss daher die Untersuchung für jede Metamorphose oder doch fiir jeden Sagenkomplex in Ovids umfangreichem Werke einzeln mit der grössten Vorsicht gefiihrt werden. Bei dem trümmerhaften Zustande der hellenistischen Litteratur ist gewiss keine Hoffnung vorhandei». dass dieses in absehbarer Zeit in allen Fallen zu einem festen Ergebnis führen wird. Gleichwohl aber erwarte ich immer noch gerade von der möglichst tief eindringenden Erforschung der Quelle jeder einzelnen Yerwandlungssage bei Ovid tiir sich genommen die beste und sicherste I* örderung der 1* rage nacli der Art der Entstehung und der Komposition des ganzen Werkes. Ich wünsche das Kienzle gegenüber zu betonen, der diese meine Ansicht getadelt hat '). Die Beobachtung der Uebergange zwischen den einzelnen Metamorphosen und ihrer von Ovid entweder aus seinen Vorbildern herübergenommenen oder nach eigenem Belieben hergestellten Verkniipfung hat gewiss auch ilire Wichtigkeit; sie soll aber m. E. nicht die erste Stelle einnehmen, und ich fürchte sogar, dass wer nur oder hauptsachlich auf diesem Fundament baucn wollte, meistens zu irrigen Ergebnissen kommen wiirde.

Im Folgenden soll nun die Komposition der Metamorphosen

') Kienzle, Ovidius qua ratione compendium mythologicum ad Metamorphoseis componendas adhibuerit, diss. Basil. 1903, S. 14.

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