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Dichters aus der Ueberlieferung verdraagt. Dass gerade der von ihm angefochtene Halbvers in einer unserer Handschriften der Metamorphosen auf Rasur steht, scheint ihm diese Ansicht einigermassen zu bestatigen. Etwas derartiges kann nun gewiss ausnahmsweise vorkommen; ich glaube aber, zu einer solchén Annahme ist hier eigentlich kein rechter Grund: Ovid kann m. E. das Ueberlieferte recht wohl genau so geschrieben haben, wie es in den Handschriften dasteht. Xur \ erteidigung meiner Ueberzeugung dienen folgende Betrachtungen. Was zunachst die bereits ervvahnte Parallelstelle anbetrifft, so wissen wir, dass Ovid des otteren halbe \ erse, die er bereits anderswo geschrieben hatte. wiederholt hat, und zwar offenbar manchmal nicht mit Absicht. uni den Leser an jene anderen Stellen zu erinnern. sondern achtlos, weil bei der Behandlung des gleichen Stoffes oder der Ausmalung einer ahnlichen Situation der bereits früher gefundene Ausdruck sich von selbst wieder einstellte. Man vergleiche z. B. Metam. I, 636—640 mit Her. XIV, 89—92. Ich würde annehmen, dass er in solchen Parallelstellen, wenn er auf sie aufmerksam wurde, das einmal Geschriebene auch nachtraglich nicht zu tilgen und durch andere Worte zu ersetzen pflegte; denn diese unwillkürlichen Anklange an frühere Arbeiten stellen doch in seinen \\ erken in so grossen Entfernungen von einander, dass eigentlich nur die Alles wie mit dem Mikroskop prüfenden Philologen überhaupt auf sie aufmerksam werden konnten und nur Pedantismus sich an ihnen zu stossen vermochte. Was zweitens die \\ iederholung desselben Ausdrucks in zwei auf einander folgenden \'ersen angeht, so ist zu beachten, dass, wie Helm selbst herv orgehoben und an vielen gut gewahlten Beispielen gezeigt (S. 344 fif.), kein anderer latei 11 ischer Dichter ein solches Gefailen an der Wiederaufnahme derselben Worte in unmittelbarer Nahe von einander gefunden hat, wie gerade Ovid. An sehr vielen Stellen, wo die gute Formulierung des Gedankens eine solche Wiederholung zur Not gestattete, hat der Dichter in dem Gleichklang und der Responsion parallelisierter Worte geschwelgt. Nur des Klanges wegen macht er z. B. folgende Wiederholungen:

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