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Gegen diese fast allgemein anerkannte Auffassung hat Duerst im Jalire 1903 Verwahrung eingelegt('). Er kommt zu dem Schlusz, dasz das Niederungsrind vom Bos taurus brachyceros abstammt und gründet diese Annahme auf die Vergleichung der verschiedenen Schadelformen der Brachycerosrinder aus der Bronzezeit von England und Irland, der Durham-Rasse, Hollander-Rasse und der Rinder aus Algerien, die alle ebenfalls die Schadelformen Jes Brachyceros zeigen. Dieser Auffassung widersetzt sich Fritz Helmich in seinem Werk ••Beitrage zur Kritik der Abstammungsfrage des Hausrindes«, hauptsachlich auf Grund von Messungen, die er an Schadeln von Niederungsrinder verrichtet hat und wobei er die gefundenen Masze mit den Dimensionen der verschiedenen Schadeln von Bos taurus primigenius und Bos primigenius Bojanus vergleicht. Am Ende seiner Betrachtungen kommt er zu dem Schlus »dasz an der Abstammung des Niederungsviehs vom Bos primigenius nicht zu zweifeln ist«.

Es scheint mir aber, dasz die Resultate von Helmichs Untersuchung nicht einen so schlagenden Beweis geben, als es beim ersten Anblick wohl den Anschein hat. Erstens hat Helmich, wie Siegfried (2) mit Recht bemerkt, zwar die Ahnlichkeit zwischen den Schadeln der von ihm untersuchten jetzigen Niederungsrinder und mehrerer Primigeniusrinder nachgewiesen, doch hat er es unterlassen zu beweisen, dasz eine derartige Ahnlichkeit mit den Schadeln der Brachycerosrinder nicht besteht. Seine Beweisführung ist also einseitig.

Zweitens aber hat Helmich die sehr wichtige Tatsache, dasz die Schadelform sich durch die Zucht auf Milchleistung sehr verandern kann, aus den Augen verloren. Dasz eine zu weit durchgezüchtete Milchkuh einen langen, schmalen, mageren

1) Dr. J. Ulrich Duerst. Betrachtungen über die Entstehung der sogenannten Niederungsschlage des Hausrindes.

2) Dr. Hans Siegfried. Die Rinderschadelfunde von Pasquart u. s. w.

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