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einstellenden Impotenz im vorzeitigen Hodenschwund (Atrophie der Hoden) entdeckte. Nach Lancereaux stelltsichdieserSchwund als eine parenchymatöse Entartung der Zeilen der Samenkanale dar, die bis zu deren völligen Zerfall fortschreiten kann, Samenfaden kamen in solchen Fallen nur sparlich vor; die Samenflüssigkeit selbst war braunlich wie bei Greisen, also sicher minderwertig. Diese Arbeiten sind aber recht mangelhaft und daher noch wenig beweisend. H. Simmonds l) (Hamburg) hat bei 1000 Sektionen von Mannern gefunden, dass 60 % der sezierten Manner, die an chronischen Alkoholismus gelitten hatten, Azoospermie (Fehlen der Samenfaden) zeigten; 5 % aller sezierten Manner waren unfruchtbar gewesen durch Schnapsmissbrauch.

Dr. Ed.Bertholet hat 1909 die Hoden von 39 Trinkern untersucht, die zwischen dem 27. und 57. Lebensj ahre gestorben waren (siehe Bericht des Antialkoholkongresses zu London 1909 S. 294 u. flg.). Obwohl Syphilis ausgeschlossen werden konnte, war bei 37 Fallen das Hodenparenchym geschrumpft mit Sklerose des interstitiellen Gewebes. Bei 24 war die Atrophie total, bei 13 nur partiell. Nur bei zwei Fallen war das Parenchym normal (ein 24jahriger, der im Rausch verunglückte und ein alter Winzer, der an Brucheinklemmung starb). Seither hat Bertholet, wie er mir mitteilt, seine Untersuchungen auf über 100 Trinker ausgedehnt und dabei eine noch starkere Zahl atrophischer Hoden gefunden (etwa 98 %) wenn man seine drei Gruppen der Atrophie zusammennimmt. Mit Tuberkulose und Alter hangt es nicht zusammen, da bei Tuberkulösen gewöhnlich normale Hoden gefunden werden. Bertholet fand noch Spermatozoen bei 70, sogar bei einem 91jahrigen Greise. Ausserdem ist die Greisenatrophie der Hoden anderer Natur und nicht so intensiv.

Bevor sie ganz atrophisch werden, sind die Samenzellen krank. Ferner muss man hinzufügen, dass es sich um schwere Trinker handelt, da wo totale Atrophie mit Verlust der Zeugungsfahigkeit einhergeht. Dazwischen liegen alle Stadiën des Siechtums der Samenzellen, die dann eben minderwertige Nachkommen mit Lebensschwache, Entartungen und Missbildungen erzeugen.

1) H. Simmonds: Ueber die Ursache der Azoospermie. Vortr. i. arztl. Ver. zu Hamburg Juni 1898. Verl. Klin. Wochenschr. 1898, S. 806.

2) Bertholet Centralblatt für allgemeine Pathologie und patholog. Anatomie Verl. v. G. Fischer in Jena. Bd. XX, No. 23 1909: Ueber Atrophie der Hoden bei chronischem Alkoholismus.

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