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Herrn Pastor Junod antworte ich dass wir in der Schweiz im neutralen Guttemplerorden, der spater entstand als das blaue Kreuz, von zirka 4000 erwachsener Mitgliedern etwa 2000 ehemalige gerettete Trinker ohne religiöse Beeinflussung, besitzen.

Dr. R. Wlassak, (Wiener-Neustadt): Die Frage nach der Organisation der Antialkoholbewegung zerfallt in zwei Teilfragen. Die erste lautet: wie gewinnen wir die Mitarbeit des Einzelnen, die zweite: wie organisieren wir die V e r w i r k 1 i c h u n g unserer Gegenwartsforderungen? Die erste Frage wendet sich an die Krafte des Charakters, die zweite an den Verstand. Damit ist schon gesagt, dass wir uns bei der Gewinnung des Einzelnen an seine Weltansicht zu wenden haben, denn nur so können wir ihn an den aktiven Kraften seiner Persönlichkeit packen. Neutralitat kann hier nur so verstanden werden, dass die verschiedenen Weltanschauungen psychologisch gleichwertig sind. Ich spreche hier als Vertreter der sozialdemokratischen organisierten Abstinenten, die die Abstinenz lediglich als eines der Kampfmittel propagieren, dessen sich die Arbeiterklasse in ihrem Befreiungskampf zu bedienen hat. Obwohl ich also einen im gewöhnlichen Wortsinn religionslosen Standpunkt einnehme, kann ich mich nur darüberfreuen, wenn die Vertreter der religiösenBekenntnisse betonen, dass sie von ihrem speziellen Weltansichtsstandpunkt aus am besten für den Kampf gegen den Alkohol agitieren können. Dieselbe Erfahrung haben wir Sozialdemokraten, von unserm Standpunkt aus, auch gemacht. Ja noch mehr: Ich kann sehr vieles aus der Rede des Herrn Konsistorialrats Josephson unterschreiben, wenn ich nur an die Stelle des Wortes „Reich Gottes" das Wort „Zukunftsstaat" setze. Ich verkenne nicht, dass für eine kleine Gruppe von Menschen ein wirklich neutraler, lediglich die hygienische Seite der Alkoholfrage betonender Standpunkt, das richtige ist, ich glaube aber nicht dass diese Gruppe eine grössere Bedeutung hat.

Einige Worte über das Zusammenarbeiten der Abstinenten und Massigen in der Propaganda. Ich bin nicht dafür, dass man sich unnötig in die Haare fahrt, aber auch hier handelt es sich teilweise um Weltansichtsgegensatze. Diese Gegensatze können nicht verwischt werden, man muss sie gelegentlich betonen. Wenn dabei hie und da ein scharfes Wort fallt, so soll man das nicht

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