Onderstaande tekst is niet 100% betrouwbaar

Wir Alle müssen Erzieher werden in einem neuen, richtigen Sinne, damit unsere Mitschuld gesühnt werde und die Tat unserer Selbstbefreiung nachwirke auf die kommenden Geschlechter.

Dann erst wird voll und ganz verstanden werden der tiefe Sinn des befreienden Wortes Goethe's:

„Was Du ererbt von deinen Vatern hast,

,,E r w i r b es, um es zu besitzen."

Hiernach erhielt Herr Pastor Dr. Chr. Stubbe, aus Kiel, das "Wort, für seine Ansprache:

Meine Damen und Herren! Als es vor zwei Jahren beschlossen war, das nachste Internationale Kongress gegen den Alkoholismus solle im Haag statt finden, habe ich mich dessen herzlich gefreut. Der Grund war nicht nur die Hoffnung, als Antialkoholiker auf dem Boden lernen zu können, wo die erste Reisekommission des deutschen Vereins gegen den Missbrauch geistiger Getranke ihre Studiën gemacht und wertvolle Anregungen empfangen hat, sondern auch der Gedanke, du wirst einem stammverwandten Volk naher treten, einem Volke mit einer grossen Geschichte, cmer reichen Kunst und einem achtbaren Schrifttum. Gestatten Sie mir, dass ich diesen Gedanken als Deutscher und als Antialkoholiker kurz ausführe.

Der Freiheitskampf der Niederlande ist eine kultur- und weltgeschichtliche Tat. Ein zahes, rechtbewusstes Volk hat unter kluger Führung grosses im Kampfe gegen einen übermachtigen Feind geleistet. Die Erkenntnis, die Heimat und die Familie «chützen zu müssen, feuerte zum Kampfe an; Gottvertrauen und Selbstzucht gaben die Kraft. In der Gegen wart wollte man die Zukunft sicher stellen, die Freiheit und Ordnung, deren wir uns mit Ihnen freuen. Ein Schiller, der Dichter des Idealismus, hat uns Ihren Kampfe nahe gebracht. Ihre Lieder, wie „Wilhelmus van Nassauen" und vor allem „Wir treten zum Beten" sind auch bei uns Volkslieder geworden. Als Antialkoholiker fühlen wir uns Ihnen wahlverwandt. Es gilt ja einen Freiheitskampf zuführen, den Kampf nicht so sehr gegen Alkoholinteressenten und Alkoholkapital, als vielmehr gegen veraltete Sitten und Anschauungen, gegen Eigennutz, Begierde und Genusssucht. Der Kampf ist schwer genug und bringt manche Unannehmlichkeit, aber Men-schenliebe und wissenschaftliche Erkenntnis geben fort und fort neue Antiiebe, Gottvertrauen und Pflichtbewusstsein helfen über

Sluiten