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abzulenken, mag wohl bei allem dem Augenblick entsprechenden Ernst auch das Bedürfnis der Pose mitgewirkt haben, das diesem theologischen Staatsmann von jeher angehaftet hat und ihm, ehrlich gesagt, auch gar nicht schlecht steht. Denn nur mittelmaszige Naturen pflegen ihr Licht unter den Scheffel zu stellen; wer sich aber vom einfachen Landpfarrer und Redakteur eines Blattes zum ersten Minister eines Staates aufgeschwungen hat, der hat nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, den Massen, die sein Wille lenkt, Gelegenheit zu einer Schaustellung zu geben, bei der jeder einzelne das erhebende Bewusztsein hat, auch seinerseits dazu beigetragen zu haben, dasz der Gefeierte auf den Schild erhoben werden konnte.

Wenn Dr. Abraham Kuyper nach dem gemessen werden musz, was er gewollt und erreicht hat, so musz er rtickhaltlos, auch von seinen Gegnern, zu den bedeutendsten Mannern gerechnet werden, denn seine ganze Tatigkeit auf politischem wie auf theologischem Gebiet stellt eine seltene Harmonie von Wollen und Können dar. Als sein Name zuerst in der Oeffentlichkeit genannt wurde, war in einer einspannigen Kutsche noch überflüssiger Raum für die paar anti-revolutionaren Mitglieder der Zweiten Kammer, sie waren die „Stillen im Lande", denen der Sitz in der Volksvertretung nur dazu diente, um „zu zeugen und alljahrlich die platonischen Elegien über die konfessionslose Volksschule anzustimmen; politischen Einflusz hatten sie nicht, begehrten einen solchen auch kaum, und jahrelang diente die Aufstellung anti-revolutionarer Kandidaten lediglich als Kraftmesser für die Zahlenstarke der Partei.

Die Taktik, die Kuyper angewendet hat, um die Aussicht, in den Machtbesitz zu gelangen, zu verwirklichen, war durch die Umstande von selbst gegeben. Da sich der politische Streit der letzten Jahrzehnte zwischen Liberalen und

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