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wie Lafaye ausführlich dargetan hat,') der Bericht des jüdischen und oft ausserst unzuverlassigen2) Geschichtschreibers keine volle Glaubwürdigkeit beanspruchen kann. Dass aber jedenfalls in spateren Zeiten Isis als Beschützerin der Keuschheit galt und folglich ihr Dienst keine entsittlichende Tendenz haben konnte, ist eine anerkannte Tatsache, worüber man z. B. das gelehrte und gut geschriebene Werk J. Burckhardts, Die Zeit Constantins des Grossen2 S. 195 nachschlagen moge.3)

Dass, im Anschluss an diese Symbole, in den Weihen ausser den geheimen Mythen auch eine geheime Lehre verkündet worden sei, ist eine noch immer von vielen geteilte Meinung. Nun hatten die Orphiker und die ihnen vielleicht mehr noch als geistesverwandten Gnostiker4) einen ausgepragten Esoterismus und in den agyptischen Kuiten war von Alters her eine symbolische Theologie ausgebildet.5) Auch in anderen Geheimkuiten mögen die Priester zuweilen einigen der Geweihten allegorische Mythendeutungen oder dergl. anvertraut haben. Aber die eigentlichen Mysterienfeste und die meisten Weihen überhaupt hatten hiermit wenig oder nichts zu tun, was schon daraus hervorgeht, dass in dieselben selbst Kinder0) aufgcnommen wurden!

1) Hist. cult. div. cl'Al. S. 53—55*

2) Vgl. E. Schiirer u. d. W. Josephus, Flavius in Herzog, Realenc.3 IX S. 379: "Soweit wir hier (nl. in der "Jüdischen Archaologie") seine Quellenbenützung kontrollieren können, ist sie nicht sehr vertrauenerweckend für das Ubrige. Abgesehen von bewussten Umgestaltungen der biblischen Geschichte, die er sich im apologetischen Interesse oder auf Grund einer herrschenden Tradition erlaubt, lassen sich ihm auch Fliichtigkeiten nachweisen. Am nachlassigsten sind offenbar die letzten Biicher der Archaologie (B. XVIII—XX) gearbeitet."

3) Vgl. auch J. Réville, La religion a Rome sous les Sévères (1886) S. 56.

4) Die schon in I S. 3 u. III S. 60 erwahnte " Arkandisziplin" der christlichen Kirche war keine Geheimlehre.

5) Naheres hierüber in V.

6) Die Stellen hierüber wohl am besten bei Anrich, D. ant. Mysterienw. S. 55; über Kinderweihen im Mithrasdienste speziell Cumont, Text. e.

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