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Mysterienwesen bei den in Haiti und den Südstaaten der Union importierten Negern, der sg. Vaudouismus,') unser Interesse. Die Schilderungen hiervon weichen zwar in manchen Détails, was übrigens bei der lokalen Verschiedenheit nicht Wunder nehmen darf, von einander ab, stimmen aber in der Hauptsache treffend überein und charakterisieren dieses ganze Treiben als eine Art Magie, wie denn auch der Ausdruck "Vaudou" höchst wahrscheinlich von "vaudois" in der Bedeutung von "Zauberer" abzuleiten ist.2) Der Novize muss eine Vorbereitungszeit von vierzig Tagen durchmachen. Er wird seiner Kleider beraubt und zieht solchè an welche die Vorschrift ihm gebietet. Er erhalt Bader von allerlei Pflanzen- und Baumsaften. Er bleibt acht Tage eingeschlossen ohne das Sonnenlicht zu erblicken und empfangt wahrend dieser Zeit ein besonderes Getrank zusammengesetzt aus Mais und Opferblut. Als Opfertiere werden Böcke und Ziegen, auch Hühner verwendet.3) Die Weihe findet zur Nachtzeit4) statt und bezweckt die Herbeiführung der Ekstase. Der Vaudou-"König" oder "Vater," der sich meist durch auffallige Tracht und riesigen Haarwuchs auszeichnet, 5) stellt den Novizen — so war es jedenfalls früher der Brauch0) — inmitten eines Kreises und giebt ihm ein Bündel von Krautern und anderen Gegenstanden in die Hand. Indem er das Haupt des Novizen mit einem Stabe berührt, stimmt er ein Lied an, welches die Anwesenden wiederholen. Der Einzuweihende gerat in einen convulsivischen Tanz und wird, falls er innerhalb des Kreises bleibt, als Mitglied angenommen. Bei dergleichen

1) Vgl. L. Gentil Tippenhauer, Die Insel Haiti (1893) S. 507—527.

2) L. G. Tippenhauer, Die Ins. Haiti S. 5J4-

3) L. G. Tippenhauer, Die Ins. Haiti S. 517 flgg.

4) L. G. Tippenhauer, Die Ins. Haiti S. 5*8.

5) L. G. Tippenhauer, Die Ins. Haiti S. 5X4*

6) Vgl. die Schilderung von Moreau de St.-Méry (Neue Ausg. I, 53—60) bei L. G. Tippenhauer, Die Ins. Haiti S. 509—513.

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