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De Nederlandsch-Duitsche Kultuurgemeenschap = Die Niederländisch-Deutsche Kulturgemeinschaft; orgaan der Nederlandsch-Duitsche Kultuurgemeenschap, 1942, 1942

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Freund Goethes und Maler des berühmten „Goethe in der Campagna", das den Dichter im weisisen Mantel zwischen antiken Trümmern ruhend zeigt. Ueber beide sind wir aus zwei für das Verstandnis des 18. Jahrhunderts sehr aufschlussreichen Büdhern gut unterrichtet. Wilhelm ischrieb im Alter seine Lebenserinnerungen und schuf damit eine;s der lesenswertesten deutschen Malerbücher. Von Friedrich August erzalhlt uns ebenfalls sehr lebendig seine Tochter Caroline, die mit ihrer Bildung und ihrer reichen geistigen, künstlerischen und musikalischen Begabung zu den bedeutenden deutschen Frauen der Goetihezeit gehort.

Wilhelm und sein Vetter Friedrich August haben langere Zeit in den Niederlanden gelebt, und von ihnen soll hier vorzüglich die Rede sein. Ausser ihnen haben aber noch einige andere Miglieder der Familie in den Niederlanden Auftrage und Verdienst gesuclht und aus der Kunsttradition des Landes Bildung und Anregungen geschöplt. Die Nachrichten darüber sind jedoch nur karg und lassen sich in wenigen Satzen wiedergeben.

Der eiste Tischbein, der lür mehrere Jahre nach den Niederlanden zog, war wohl Jolhann Valentin (1715 1768). 1747 linden wir ihn mit seiner jungen Frau in Maastricht. Hier wird ihm 1750 sein Sohn Joh. Friedrich August geboren, der als Künstler spaler weit über den Vater hinauswachsen sollte. lm gleichen Jalhre siedelt die Familie nach Den Haag über, wohl weil dort lohnendere Bildnisauftrage winken. Ein Bildnis des Prinzen von Oranten und seiner Familie von Valentins Hand trifft Wilhelm Tischbein spater in Amsterdam an, im „Staatszimmer eines Mannes, der mit auslandischen Tieren handelte. lm Alter erinnert sich Wilhelm noch der Freude, die ihm die unvermutete Begegnung mit einem des Onkels bereitet hat. Er weiss von den Jahren Valentins in den Niederlanden freilich nicht viel mehr, als das,s dieser „Unterricht in der Perspektive gab und Portrats malte". Vom Portratieren lebten die Maler damals. Staatsportrats Wilhelms IV. von Valentin Tischbein bewalhren noch das Friesische Museum in Leeuwarden und das Rathaus in Kampen.

Einige Jahre nach Valentin machen sich seine jüngeren Brüder und Schüler Johann Anton (1720—1784) und Anton Wilhelm (1730—1804) auf den Weg in die Niederlande. Beide lassen sich für das Jalhr 1753 an der Haager Akademie als Lehrlinge einschreiben. Johann Anton ist zwar schon dreiunddreissig Jahre alt; doch passt die Eintragung „J. A. Tischbein" im Rechnungsbuch der Akademie auf ikeinen anderen. Jdbann Anton scheint sich als Maler einiges Ansehen erworben zu haben, denn der zeitgenössische Sekretar der Haager Kunst-Confrerie, Pieter Terwesten, nennt ihn in seinem Künstlerregister „een braaff portret Schilder" und berichtet von ihm, dass er, nachdem er sich Ihier (im Haag) mit dem Malen verschiedener „ansehnlicher" Portrats mehrere Jahre aufgehalten habe, wieder nadh Deutschland verzogen sei. Vielleicht verwechselt ihn Terwesten aber auch mit Johann Valentin, den ler sonderbarerweise als „battaille-schilder" erwahnt; denn in öffentlichen Sammlungen wird von Johann Anton kein einziges Werk bewahrt. Es war sicherlich schon für die Zeitgenossen nicht leicht, die Tischbeins in ilhren Bildern Tichtig auseinanderzuhalten.

Johann Heinrich Tischbein d. J. (1742—1808), der als Einunddreissigjahriger in die Niederlande reist, gehort sc'hon zur nachsten Generation. Viel spater und als letzter in der Reihe erscheint August Anten Tischbein (1805 nach 1867), der sich 1832 in Rotterdam aufhalt.

Die Persönlichkeiten dieser Maler erstehen aus dem wenigen Tatsadhlichen, das von ihnen bekannt ist, nicht mehr zu Blut und Leben. Von der Familientradition und vom Zeitstil getragen, werden sie tüchtige Maler gewesen sein. Meister edlen Handwerks, nicht Künstler von ausgepragter Eigenart und geschichtlicher Bedeutung. Wahrend die meisten Tischbeins in ihrem Menschlicihien nicht mehr über die Schwelle des geschichtlichen Bewusstseins treten, wird es um die Gestalt Wilhelm Tischbeins ganz heil. Seine Lebenserinnerungen stellen ihn uns zwar ganz als Kind seiner Zeit vor, die mit dem Wort „Goethezeit" am kürzesten umschrieben ist. Doch zeichnet sich unter dem Mantel des Zeitgeistes eine Persönlidhkeit von eigenem, nicht alltaglichem Wuchse ab.

JOH. VALENTIN TISCHBEIN: BILDNIS DER GEMAHLIN WILHELMS IV., Anna von Hannover. (Fnesisches Museum, Leeuwarden). Wahrend der Maler in der Kleiduiig Brustpanzer und Hermelin und in der leldherrnhaften Haltung des rrmzen am barocken Pathos festhalt, zeigt er sich im Bildnis der Prinzessin als Meister der leichteren, graziöseren Darstellungsweise des Rokoko. Die kunstvoll-schlichte Haartracht, die leichte Drehung des Kopfes, das Schwebendc Haltung, das Grössenverhaltnis des Menschen zura umgebenden Raum alles das bringt in dem Bilde die intimere Atmosphare der höfischen Spatzeit hervor.

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