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De Nederlandsch-Duitsche Kultuurgemeenschap = Die Niederländisch-Deutsche Kulturgemeinschaft; orgaan der Nederlandsch-Duitsche Kultuurgemeenschap, 1944, 1944

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Wie sie assen und tranken

T ischsitten im Goldenen J anrhundert

Von Dr. P. H. Keulers

Van der Helst; Schützenmahlzeit Foto Rijksvmse tw.-crchu

IN'den Niederlanden ist auf das Essen und Trins ken und auf alles, was zur Erhöhung des leibli< chen Wohls dient, von jeher viel Sorgfalt verwandt worden, und es ware nicht schwer, aus der Wands lung der Tischsitten eine interessante Kulturge» schichte des niederlandischen Volkes zusammens zustellen. Es ist begreiflich, dass diese Seite des Lebens unmittelbar abhangig ist vom Reiclitum des Landes und von der Lebensbejahung seiner Bewohner. Verstiindlich ist auch, dass die formen und Sitten eines Volkes, soweit die hans* lichen Dinge in Frage kommen, stark von den Nachbarn dieses Volkes beeinflusst werden, wenn das Volk selbst einen regen Verkehr mit den anderen Vólkern unterhalt.

lm 16, und zu Beginn des 17., des „Goldenen Jahrhunderts”, waren die Sitten der Niederlander bei Tisch noch höchst einfach. Man sass auf einer langen Bank, die der Wand entlanglief. Vor dieser Bank stand der Tisch; die Familie sass nicht rings um den Tisch, sondern nebeneinander an einer Seite des Tisches: nur wenn man mit dem Platz zu kurz kam, wurden besondere Bankchen auf der anderen Seite an den Tisch herangeschoben. Die Speisen lagen alle auf einer Schüssel von Zinn oder auf einem grossen irdenen Teller. Jeder hatte eine dicke Scheibe Brot neßen sich; alle brauchten den einen Löffel und das eine Messer, das neben der

Schüssel lag und mit einer Kette an den Tisch be« festigt war. War das Fleisch nicht geschnitten, so* wurde es vom Tischaltestcn mit xMesser und Hand geteilt; jeder nahm mit der Hand die Stücke von der Schüssel, die ihm am .nachsten lagen; mit dem Löffel nahm er etwas Sosse und führte- das Fleisch mit der Hand in den Mund. Die Knochen wurden schö'n abgenagt; man zerrte dabei das Fleisch zwis schen Hand und Mund hin und her. Die Gabel kam erst im 18. Jahrhundert auf; irdene Schüssel und Zinnteller ersetzten unsere Brotkörbchen.

Natürlich gab es auch damals schon besondere Höflichkeitsvorschriften; so galt es als unfein, mit der ganzen Hand in die Schüssel zu greifen und darin zu wühlen, um die besten Stücke herauszus fischen, oder auch allzu lange nach der Sehüssel zu schielen, um das beste Stück herauszufinden. Ein anstandiger Mensch nahm sein Teil mit den drei ersten Fingern, wie Erasmus und auch der Diehter Cats es vorschreiben;

„Mit drei Fingern greife nach der Speise !”

Der Jugend nahm Cats es übel, mit der Nase vorauf zu sein:

Nimm nie von einer Schüssel, Kind,

Der niemand noch was hat entnommen,

Auch solist Du nicht mit Fingern kommen

Ins Salz, mein Kind, man nimmt dann besser

zu .Hilfe stets das blanke Messer.

Mit drei Fingern in eine Sehüssel greifen, in der man auch noch auf andere Hande stiess da musste einer schon gute Uebung haben! Cats findet es angebracht, sich wahrend des Essens dann und wann die Finger zu waschen. Man kam so von selbst zum Fingertuch, zur Serviette; denn es wurde als unschicklich angesehen, seine Finger am Tischtuch oder an seinen Kleidern abzuwi# schen, oder sie gar abzulecken. Unschicklieh war es auch, mit der Serviette das Tafelgesehirr abzu# putzen, oder sich die Nase damit zu schneuzen. In der Art, die man bei Beginn der Mahlzeit die Serviette entfaltete, sah man, oh einer begierig war nach den Speisen, oder oh er sich zu beherrschen wusste. ,

Eine sparsame Hausfrau sammelte im 16. Jahr» hundert nach der Mahlzeit die dicken Brotsehei* ben, die als Unterlage gedient hatten, um sie den Armen zu geben. Diese werden sich die von Fett und gutgewürzten Sossen treifenden Brotbroeken gut haben schmecken lassen.

Bekannt sind die Familienszenen von Jan Steen, auf denen die vitale Freude am Essen und Trinken dargestellt wird. Ein machtiger Schinken ist der Mittelpunkt des Gemaldes, das wir hier zeigen; ein halber Laïb Brot liegt dabei, daneben ein einziges Messer. Die grosse Sehüssel steht bereits am Bo# den; der Hund hat sich wahrscheinlich an den

Resten der Mahlzeit gütlich getan. Nun wird ge# trunken, gesungen und gespielt. Der Wein Tee und Kaffee waren damals noch nicht das National# getrank der Niederlander tut schon seine Wir# kung, und statt der Zigaretten raucht man Tabak aus der irdenen Pfeife. Ueber den Köpfen der jugendlichen Rancher ha der Maler die alte Le# bensweisheit angeheftet: „Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen.”

Mit der Zeit wurden an Stelle der Brotscheiben silberne und Zinnteller eingeführt; Cats ermahnt seine Leser, den Teller nicht allzu eifrig mit Brot abzureiben, damit es nicht aussehe, als wolle man absolut nichts zurücklassen. Allmahlich wurden auch die Messer auf den Tischen zahlreicher, und jeder bekam seinen eigenen Trinkbecher, dadurch wurde die Mahnung des Dichters überflüssig, jeder moge den Becher leertrinken, damit nicht ein anderer den Rest nehmen müsse, wenn er den Becher benützt. Auf einem Gemalde von Frans Hals sieht man machtige Zinnkannen mit Deckeln. Sie stehen haufig auf einem Hangebank« chen an der Wand griffbereit, um von Hand zu Hand zu êehen, Gabeln kannte man noch nicht; auch der Sonnenkönig Ludwig XIV. hat übrigens noch mit drei Fingern gegessen. Auf der Schützens mahlzeit des Malers Van der Helst halten die Her# ren ein Schweinepfötchen in der linken Hand, von